Roundtable Nr. 6 | 2025: Wearables und Hospital at Home: Neue Wege im Patient Monitoring

Unter dem Motto „Wearables und Hospital at Home – wie kabelloses Monitoring neue Versorgungsräume eröffnet“ trafen wir uns am 18. September zum sechsten Patient Monitoring Roundtable (PMRT) des Jahres im BALTIC der Charité. Im Zentrum stand ein hochaktuelles Thema: Welche Rolle können Wearables künftig spielen, um Versorgungsketten zu erweitern – von der Klinik bis ins häusliche Umfeld?

📣 Remote Patient Monitoring: Die Versorgungsform der Zukunft?

In ihrem spannenden Input zeigte Linea Schmidt (Hasso-Plattner-Institut) auf, wie digitale Technologien dazu beitragen können, Monitoring flexibler, patient:innenzentrierter und alltagstauglicher zu gestalten.
Highlights ihrer Keynote:

  1. Wearables liefern digitale Biomarker: Sie erfassen kontinuierliche, objektive Alltagsdaten (z.B. Aktivität in der Neurologie), die stark mit klinischen Schweregraden korrelieren und somit als digitale Biomarker den Krankheitsverlauf messen können.
  2. Kostenersparnis durch Fernüberwachung (RPM): Remote Patient Monitoring (RPM) führt zu einer signifikanten Reduktion von Klinikeinweisungen und Notaufnahmebesuchen, was das Gesundheitssystem insgesamt entlastet.
  3. Wandel von episodisch zu kontinuierlich: Digitales Monitoring ersetzt die momentane, episodische Datenerfassung durch eine lückenlose, kontinuierliche Überwachung.
  4. Vorteile von HaH: Das „Hospital at Home“-Konzept (HaH) ermöglicht die Verlagerung von Krankenhausleistungen nach Hause. Internationale Beispiele zeigen, dass HaH sicher und mit einer Senkung der Kosten verbunden ist.

Regulatorische Hürden in Deutschland: Trotz internationaler Erfolge und positiver Pilotprojekte ist Hospital at Home in Deutschland noch nicht Teil der Regelversorgung, was seine breite Einführung stark einschränkt.

🛠️ Workshopergebnisse:
Chancen und Hürden im Klinikalltag

In den anschließenden  Workshops konzentrierten wir uns auf die Kluft zwischen dem Potenzial digitaler Technologien und den aktuellen Herausforderungen in der Klinik. Die Ergebnisse lassen sich in drei Kernbereiche unterteilen:

Motivation: Warum Wearables entscheiden sind

  • Wearables erhöhen die Patient:innensicherheit durch Früherkennung kritischer Zustände und steigern die Lebensqualität (mehr Bewegungsfreiheit, weniger Kabel).
  • Für Kliniken bieten sie klare ökonomische Vorteile durch die Möglichkeit früherer Entlassungen und die Entlastung des Personals.

Herausforderungen: Wo es aktuell hakt

  • Technik-Chaos: Es fehlen Standards und offene Schnittstellen zur ePA, was zum unübersichtlichen „Wearables-Zoo“ führt.
  • Prozess-Vakuum: Unklare Verantwortlichkeiten für die Überwachung, fehlende Schulungen und Widerstände im Personalalltag (Change Management) behindern die Integration.
  • Datenflut: Die sichere Speicherung, Visualisierung und Analyse der riesigen Datenmengen sowie die Einhaltung der Regulatorik (Datenschutz) stellen zentrale Probleme dar.

Jobs to be Done: Was es jetzt braucht

  • Standards und klare Strukturen: Etablierung eines Implementation Frameworks mit klaren Rollen und Verantwortlichkeiten sowie der Schaffung interoperabler Standards (Open Data).
  • Vertrauen durch Evidenz: Investition in Forschung (z. B. Outcome Research, Kosten-Nutzen-Analysen) und die Entwicklung klinisch validierter Algorithmen.
  • Politische Weichenstellung: Die Politik muss mitziehen und die Vergütungsmodelle anpassen, um HaH und RPM nachhaltig in die Regelversorgung zu überführen.

✅ Fazit: Der Wandel beginnt in den Prozessen

Was bleibt, ist der klare Wille zur Veränderung: Der Roundtable hat gezeigt, dass die gesamte Bandbreite der klinischen Versorgung bereit ist, Monitoring neu zu denken. Der Erfolg hängt dabei weniger von der Hardware als vielmehr von der Gestaltung von Prozessen, Kommunikation und Design ab. Denn Situational Awareness muss bewusst in den Workflow integriert werden.

Vielen Dank an alle Teilnehmenden für die offenen Diskussionen und die vielen konkreten Ideen!

📅 Ausblick: PMRT im Oktober

Wir freuen uns schon auf den nächsten Roundtable am 15. Oktober im BeST (Berliner Simulations- und Trainingszentrum) der Charité. Keynote-Speakerin wird Prof. Dr. Petra Ritter sein – unser Thema: “AI & Data Platforms for Intelligent Patient Monitoring”.

Seid wieder dabei, wenn wir gemeinsam daran arbeiten, Monitoring praxisnah weiterzuentwickeln und neue Möglichkeiten durch Künstliche Intelligenz kennenlernen!
Die Anmeldung ist hier möglich – wir freuen uns auf Euch! 


Der Patient Monitoring Roundtable wird von INCH Health in Zusammenarbeit mit dem Institut für Medizinische Informatik der Charité – Universitätsmedizin Berlin organisiert und durchgeführt