Patient Monitoring Roundtable No°2 | 2026: Digitale Zwillinge & Dashboards für datengetriebene Therapie – Hype oder echter Mehrwert?

Save the Date: Der dritte Roundtable des Jahres findet am 20. April zum Thema “Hopital-at-Home: Hospital at Home: Wearables als Grundlage für sichere außerklinische Versorgung im BeST (Berliner Simulations- und Trainingszentrum der Charité statt. Interessiert? Dann buche hier dein Ticket für eine On-Site oder Online-Teilnahme!

Digitale Zwillinge & Dashboards für datengetriebene Therapie – Hype oder echter Mehrwert?” – unter diesem Motto kamen wir am 12. März zum zweiten Patient Monitoring Roundtable (PMRT) des Jahres im BALTIC der Charité zusammen.  Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage für die moderne Gesundheitsversorgung: Wie können wir überwältigende Mengen klinischer Daten in aussagekräftige, handlungsrelevante Erkenntnisse verwandeln?

Keynote von Dr. Matthias König (HU)

Wenn Daten überwältigen: Warum das Gesundheitswesen bessere Dashboards braucht

Die Keynote von Dr. Mirja Mittermaier begann mit einer vertrauten Realität im modernen Gesundheitswesen: zu viele Systeme, zu viele Logins und eine überwältigende Datenmenge. Während sich medizinisches Wissen in rasantem Tempo verdoppelt, fällt es Klinikern weiterhin schwer, zur richtigen Zeit auf die richtigen Informationen zuzugreifen.

Ihre zentrale Botschaft war klar: Das Gesundheitswesen hat kein Datenproblem – es hat ein Klarheitsproblem.

Fragmentierung ist die eigentliche Herausforderung

Die heutigen Gesundheitssysteme sind stark fragmentiert. Getrennte IT-Systeme und isolierte Datensilos erhöhen die kognitive Belastung der Behandelnden, die oft mehr Zeit mit der Suche nach Informationen als mit Entscheidungen verbringen.

Klinische Dashboards versprechen einen Ausweg – allerdings nur, wenn sie sich an realen klinischen Anforderungen orientieren.

Von Daten zur Entscheidung

Im Idealfall verwandeln Dashboards komplexe Daten in klare, handlungsrelevante Erkenntnisse. Durch die Integration von Informationen aus verschiedenen Quellen – wie elektronischen Patientenakten, Laborwerten und Vitalparametern – entsteht ein ganzheitliches Bild des Patienten. Das Ziel ist einfach, aber wirkungsvoll: Ärztinnen und Ärzte sollen den Zustand eines Patienten innerhalb von Sekunden erfassen können.

Laut Dr. Mittermaier sind erfolgreiche Dashboards:

  • zielorientiert

  • nutzerzentriert

  • in klinische Workflows integriert

  • visuell klar

  • auf relevante Informationen fokussiert

Kurz gesagt: Ein gutes Dashboard zeigt nicht mehr Daten – sondern die richtigen.

Von Daten zu Bedeutung: Warum Dashboards noch immer scheitern

Trotz ihres Potenzials scheitern viele Dashboards an mangelnder Integration, begrenzter Interoperabilität und regulatorischer Komplexität. Entscheidend ist dabei: Interoperabilität ist nicht nur ein technisches, sondern auch ein semantisches Problem – Daten müssen nicht nur austauschbar, sondern auch einheitlich interpretierbar sein.

Echter klinischer Mehrwert entsteht erst, wenn Daten in einen Kontext gesetzt werden: Einzelne Messwerte werden erst durch Zeitbezug, Grenzwerte und klinische Logik handlungsrelevant. Dieser Wandel von Rohdaten zu klinisch bedeutungsvollen Konzepten macht Dashboards zu echten Entscheidungsunterstützungssystemen – und ermöglicht den Übergang von retrospektiver Analyse hin zu Echtzeitüberwachung, Frühwarnsystemen und KI-gestützter Entscheidungsfindung.

Digital Twins: Die Zukunft personalisierter Medizin simulieren

In der zweiten Keynote stellte Dr. Matthias König, Leiter der Systems Medicine of Liver Gruppe an der HU Berlin, Digital Twins als vielversprechenden Ansatz für personalisierte Medizin vor. Diese kombinieren mechanistische Modelle mit interaktiven Dashboards.

Diese virtuellen Patientenmodelle, die kontinuierlich mit realen Daten aktualisiert werden, ermöglichen es, Medikamentenwirkungen zu simulieren und individuelle Reaktionen vorherzusagen. Er zeigte, wie PBPK-Modelle patientenspezifische Variabilität abbilden und wie komplexe Simulationen in intuitive klinische Werkzeuge übersetzt werden können – für proaktivere, datenbasierte und patientenzentrierte Therapieentscheidungen.

Ausblick

Um diese Vision zu verwirklichen, braucht es interoperable Daten, intuitive Werkzeuge und eine enge Zusammenarbeit zwischen klinischen, technischen und regulatorischen Akteuren – als Grundlage für eine prädiktivere, proaktivere und patientenzentrierte Versorgung.

Trotz jahrzehntelanger technologischer Fortschritte in anderen Bereichen ist das Sounddesign weitgehend unverändert geblieben. Die Gründe für diesen Status quo sind eine Kombination aus fehlendem Bewusstsein, technologischer Stagnation und veralteten Standards.

Workshop: Gesundheitsversorgung erlebbar machen – Dashboards, Daten und Digital Twins

1. Early Warning Scores – Handlungsorientierte Dashboards gestalten

In der Medizintechnikbranche werden Early Warning Scores (EWS) entwickelt, um durch multimodales, ressourceneffizientes Monitoring kritische Ereignisse frühzeitig zu erkennen. Eine aktuelle Lösung ist ein webbasiertes On-Premise-Tool, das in medizinische Geräte integriert ist und den Import von Daten (z. B. Laborwerte) sowie den HL7-Export in elektronische Patientenakten ermöglicht.

Im Workshop zum EWS-Webtool wurde deutlich: Der Wunsch nach einem einzigen, umfassenden Dashboard ist zwar groß, aber weder praktikabel noch effektiv. Stattdessen sind spezialisierte, intuitive Dashboards erforderlich, die auf spezifische klinische Kontexte zugeschnitten sind.

2. Klinisches Dashboard-Design – Von Daten zu Entscheidungen

Im Workshop von Dr. Mittermaier wurde untersucht, wie Dashboards gestaltet sein müssen, um Entscheidungen in der Praxis tatsächlich zu unterstützen. Mithilfe eines „Clinical Dashboard Design Canvas“ wurden zunächst die klinische Fragestellung, Nutzergruppen und Workflows definiert, bevor relevante Daten und Visualisierungen identifiziert wurden.

Dashboards schaffen nur dann Mehrwert, wenn sie um konkrete Anwendungsfälle herum entwickelt werden – etwa Monitoring, Medikationsmanagement oder Qualitätskontrolle. Sie müssen sich nahtlos in Arbeitsabläufe integrieren, kritische Informationen auf einen Blick hervorheben und Daten in konkrete Handlungen übersetzen.

3. Digital Twins – Realität modellieren und darüber hinaus

Im Workshop zu Digital Twins hatten die Teilnehmenden die Möglichkeit, ihre eigene Vision eines Digital Twins kreativ mit Lego darzustellen – beispielsweise durch einen Spiegel, eine Legofigur und deren bewusst verzerrtes Abbild.

Diskutiert wurde dabei auch die Frage, ob ein Modell die Realität jemals vollständig abbilden kann. Zudem wurde betont, dass digitale Zwillinge bidirektional funktionieren: Daten fließen vom Patienten in das Modell und die daraus gewonnenen Vorhersagen zurück in die reale Versorgung.

 

Zentrale Erkenntnis aus allen drei Workshops:
Es gibt kein universelles Dashboard – Lösungen müssen immer an den jeweiligen klinischen Kontext angepasst werden

Workshop von Dr. Mirja Mittermaier

Fazit

Mehr Daten führen nicht automatisch zu besserer Versorgung. Entscheidend ist, wie Daten strukturiert, interpretiert und dargestellt werden. Klinische Dashboards können diese Lücke schließen – aber nur, wenn sie auf Klarheit, Kontext und reale klinische Workflows ausgerichtet sind.

Denn am Ende geht es nicht darum, Informationen darzustellen. Es geht darum, bessere Entscheidungen zu ermöglichen – und damit eine bessere Patientenversorgung.

Nächster PMRT am 12. März im BALTIC

Wir freuen uns, euch am 20. April März 2026 ab 16:30 zum dritten Patient Monitoring Roundtable für 2026 im BeST der Charité begrüßen zu dürfen! Thematisch liegt unser Fokus auf Hospital-at-Home.
Dabei sein und nicht verpassen!

Der Patient Monitoring Roundtable wird von INCH Health in Partnerschaft mit dem Institut für Medizinische Informatik der Charité – Universitätsmedizin Berlin organisiert.

Wir danken außerdem Dr. Mirja Mittermaier und Dr. Matthias König für die inspirierenden Keynotes und die großartigen Workshops sowie allen Teilnehmenden für die engagierte Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien für eine intelligente, sichere und patientenzentrierte Versorgung.

Und ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren Masimo, Dräger und Philips, deren Unterstützung den Patient Monitoring Roundtable erst möglich macht.