Patient Monitoring Roundtable Nr. 4 | 2026: Robotik in der Pflege – wo bleibt der Faktor Mensch?

Save the Date: Der fünfte Roundtable des Jahres findet am 22. Juni zum Thema “KI-Sprachdokumentation” im BALTIC der Charité statt. Interessiert? Dann buche hier dein Ticket für eine On-Site oder Online-Teilnahme!
„Robotik in der Pflege“ – unter diesem Leitthema kamen wir am 21. Mai 2026 im Baltic zum vierten Patient Monitoring Roundtable (PMRT) des Jahres zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, was Pflegeroboter wirklich leisten können – und was es braucht, damit sie es gut tun.
Embedded Ethics, Garmi und vieles mehr
Ein Roboter wechselt Bettwäsche schneller, hygienischer und effizienter als ein Mensch. Klingt nach Fortschritt. Aber was passiert dabei eigentlich noch – und was könnten wir dabei verlieren?
Dies stand im Mittelpunkt der spannenden Keynote, die Svenja Breuer von der Technischen Universität München (TUM) gehalten hat. Ihr Thema: Wie Robotik und KI in Medizin und Pflege eingesetzt werden und warum wir diese Entwicklung nicht allein den Ingenieur:innen überlassen dürfen.
GARMI: Der Roboter aus der Geriatronik-Forschung
Breuer stellte zunächst GARMI vor, einen Pflegeroboter, der am Munich Institute of Robotics and Machine Intelligence (MIRMI) der TU München entwickelt wurde. GARMI kann körperliche Untersuchungen durchführen, mit Patient:innen interagieren und repetitive Aufgaben übernehmen – zum Beispiel in der Physiotherapie.
Auf den ersten Blick: beeindruckend. Auf den zweiten Blick: komplex. Denn schon die Fallstudie zeigt, dass Pflegearbeit viel mehr ist als eine Abfolge von technischen Einzelaufgaben. Sie ist eingebettet in Beziehungen, Vertrauen und kontextabhängige Entscheidungen – Dinge, die sich nicht einfach in diskrete, automatisierbare Tasks übersetzen lassen.
Was Pflegefachkräfte wirklich wissen
In ihrem Vortrag schilderte Breuer auch eine Interview- und Fokusgruppenstudie, die sie mit Pflegefachkräften durchgeführt hat. Dabei kam etwas Überraschendes zum Vorschein:
Selbst scheinbar triviale Routinetätigkeiten – wie das Beziehen eines Kissens – haben eine kommunikative Dimension, die auf den ersten Blick unsichtbar ist. Eine Pflegefachkraft beschrieb es so: Man kann ein Kissen beziehen, ohne sich voll zu konzentrieren. Und genau in diesem Moment entsteht Raum für ein Gespräch. Patient:innen öffnen sich, weil die Situation nicht direkt und konfrontativ ist. Das Beziehen des Bettes ist eigentlich ein Gesprächsangebot – und es wird überraschend oft genutzt.
Was geht verloren, wenn diese Aufgabe an einen Roboter delegiert wird? Das ist keine rhetorische Frage. Es ist eine, die ernsthaft beantwortet werden muss, bevor Technologie eingesetzt wird.
Verantwortung im Zeitalter der Pflegerobotik
Aus der Perspektive der Pflegefachkräfte ergeben sich laut Breuer drängende Fragen, die bislang kaum adressiert werden:
- Wie bleibt Flexibilität und Autonomie für Klinikpersonal und Patient:innen erhalten?
- Wie verändert sich die Vertrauensbeziehung, wenn ein Roboter im Raum ist?
- Wer trägt die Verantwortung für klinische Entscheidungen – Mensch oder Maschine?
- Was passiert bei einem Unfall mit einem Roboter? Wer haftet?
Diese Fragen sind nicht nur ethisch, sondern auch rechtlich und organisatorisch hochrelevant. Und sie können nicht im Nachhinein beantwortet werden – sie müssen in den Entwicklungsprozess selbst integriert werden.
Verantwortung im Zeitalter der Pflegerobotik
Aus der Perspektive der Pflegefachkräfte ergeben sich laut Breuer drängende Fragen, die bislang kaum adressiert werden:
- Wie bleibt Flexibilität und Autonomie für Klinikpersonal und Patient:innen erhalten?
- Wie verändert sich die Vertrauensbeziehung, wenn ein Roboter im Raum ist?
- Wer trägt die Verantwortung für klinische Entscheidungen – Mensch oder Maschine?
- Was passiert bei einem Unfall mit einem Roboter? Wer haftet?
Diese Fragen sind nicht nur ethisch, sondern auch rechtlich und organisatorisch hochrelevant. Und sie können nicht im Nachhinein beantwortet werden – sie müssen in den Entwicklungsprozess selbst integriert werden.
Embedded Ethics: Ethik als Teil des Designs
Bisher, so Breuer, denken viele Technologieentwickler:innen Ethik als nachträgliche Prüfinstanz: Das System wird gebaut, und dann kommt jemand und prüft, ob es in Ordnung ist.
Ihr Ansatz – Embedded Ethics and Social Science – dreht das um. Sozialwissenschaftliche und ethische Expertise muss von Anfang an in den Entwicklungsprozess eingebettet sein. Nicht als Korrektiv, sondern als Gestaltungskraft.
Fazit: Technologie braucht sozialwissenschaftliche Begleitung
Breuers Schlussfolgerung war klar: Robotik und KI im Gesundheitswesen sind soziotechnische Systeme. Sie verändern nicht nur Abläufe – sie verändern Beziehungen, Rollen und Verantwortlichkeiten. Wer hilfreiche Roboter für das Gesundheitswesen entwickeln will, muss ethische und soziale Auswirkungen schon früh im Entwicklungsprozess mitdenken. Und: Es braucht das Praxiswissen derer, die im Anwendungsbereich arbeiten – also der Pflegefachkräfte selbst.
Das ist keine Bremse für Innovation. Es ist die Voraussetzung dafür, dass Innovation tatsächlich nützt.
Workshops: Implementierung der Robotik in die Klinik und ein echter Roboter
In zwei parallelen Workshops erarbeiteten Kliniker:innen, Forscher:innen und Entwickler:innen gemeinsam, wo Robotik im Krankenhausalltag wirklich helfen könnte: Während die eine Gruppe Use Cases und Barrieren kartierte – von Logistik über Medikamentenvorbereitung bis hin zu Datenschutz und Haftungsfragen – diskutierte die andere mit Svenja Breuer, wie Technologie vor allem dort ansetzen sollte, wo repetitive Aufgaben die Zeit für echte Zuwendung verdrängen.
Im dritten Workshop stellte Navel Robotics den Roboter Navel live vor – die Teilnehmer konnten Navel direkt in Augenschein nehmen. Der kompakte, menschlich gestaltete Roboter ist speziell für den Einsatz in Pflegeheimen entwickelt: Er soll bei Apathie, Unruhe und herausforderndem Verhalten unterstützen, als Gesprächspartner aktivieren und Personal in Phasen der Unterbesetzung entlasten. Auf der Roadmap für 2026 stehen Mehrsprachigkeit, autonome Navigation und angepasste Dialogstrategien nach Demenzgrad. Was das Team besonders betonte: Navel soll keine menschliche Zuwendung ersetzen – sondern dafür sorgen, dass mehr davon möglich wird.
Die Workshops zeigten eindrücklich: Technologie wird insbesondere dort als sinnvoll wahrgenommen, wo sie Routinetätigkeiten reduziert und dadurch mehr Zeit für patient:innenenzentrierte Versorgung schafft.

Fazit
Dieser PMRT zeigte eindrücklich: Technologie wird insbesondere dort als sinnvoll wahrgenommen, wo sie Routinetätigkeiten reduziert und dadurch mehr Zeit für patient:innenenzentrierte Versorgung schafft!
Nächster PMRT am 22. Juni im BALTIC
Wir freuen uns, euch am 22. Juni zum vierten Patient Monitoring Roundtable des Jahres im BALTIC der Charité begrüßen zu dürfen!
Dabei sein und nicht verpassen!
Der Patient Monitoring Roundtable wird von INCH Health in Partnerschaft mit dem Institut für Medizinische Informatik der Charité – Universitätsmedizin Berlin organisiert.
Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren Masimo, Dräger und Philips, deren Unterstützung den Patient Monitoring Roundtable ermöglicht.
Wir danken außerdem Svenja Breuer und Navel Robotics für die inspirierende Keynote und die großartigen Workshops sowie allen Teilnehmenden für die engagierte Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien für eine intelligente, sichere und patientenzentrierte Versorgung.