Patient Monitoring Roundtable No°3 | 2026: Hospital@Home – Chance für eine verbesserte Versorgung?

Save the Date: Der vierte Roundtable des Jahres findet am 21. Mai zum Thema “Robotik in der Pflege im BALTIC der Charité statt. Interessiert? Dann buche hier dein Ticket für eine On-Site oder Online-Teilnahme!

Hospital@Home: Wearables als Grundlage für sichere außerklinische Versorgung – unter diesem Leitthema kamen wir am 20. April 2026 im Berliner Simulations- und Trainingszentrum (BeST) zum dritten Patient Monitoring Roundtable (PMRT) des Jahres zusammen. Im Mittelpunkt stand eine zentrale Frage für die moderne Gesundheitsversorgung: Wie können Hospital@Home-Konzepte die Gesundheitsversorgung verbessern?

Keynote von Prof. Dr. Rajan Somasundaram (Charité)

Hospital@Home in der Praxis: Darauf kommt es an

Prof. Dr. Somasundaram, ärztlicher Leiter der Notaufnahme Charité Benjamin Franklin, eröffnete seine Keynote mit einem Überblick über die aktuelle Notfallversorgung. Dabei stellte er insbesondere die zunehmende Herausforderung durch multimorbide geriatrische Patient:innen infolge der demografischen Entwicklung heraus.

Im Jahr 2023 gab es in Deutschland rund 5,7 Millionen pflegebedürftige Menschen, von denen etwa 86 % ambulant versorgt wurden. Zusätzlich lebten etwa 1,8 Millionen Menschen mit einer dementiellen Erkrankung. Daraus ergeben sich mehrere zentrale Konsequenzen:

  • Ein steigender Bedarf an Pflegeleistungen bei gleichzeitig reduziertem Personal.
  • Die Inanspruchnahme von Rettungsdiensten und Krankenhäusern als zusätzlicher Stressor für ältere, pflegebedürftige Menschen – mit potenziellen „adverse events“ wie Delir, nosokomialen Infektionen oder Stürzen.
  • Eine teilweise vermeidbare Nutzung von Notfallstrukturen.

An diesem Punkt zeigte Prof. Dr. Somasundaram das Potenzial von Prävention, insbesondere der Tertiärprävention, sowie der häuslichen Versorgung auf. Im Fokus stehen dabei Konzepte wie Hospital@Home (die Verlagerung stationärer Leistungen in den häuslichen Bereich) sowie Stay@Home–Treat@Home (Akut- und Notfallversorgung im gewohnten Umfeld). 

Ein zentrales Problem besteht laut Somasundaram darin, dass es keine einheitliche Definition für einen Notfall gibt: „Die Hilfesuchenden definieren den Notfall, das System die Reaktion darauf.“
Gerade bei älteren und pflegebedürftigen Menschen können auch zunächst unscheinbare akute Ereignisse schwerwiegende Folgen haben. Vor dem Hintergrund des Fachkräftemangels wird es daher immer wichtiger, Synergien zwischen ambulanten und stationären Strukturen zu schaffen – genau hier setzt das Konzept Stay@Home–Treat@Home an. Ziel ist es, durch Tertiärprävention Verschlechterungen frühzeitig zu erkennen und im häuslichen Umfeld zu behandeln. Dadurch sollen ungeplante Krankenhausaufnahmen sowie Gesundheitsausgaben reduziert werden.

Stay@Home–Treat@Home basiert auf einem telemedizinisch vernetzten System, das verschiedene Akteure einbindet: Patient:innen, Hausärzt:innen, die Kassenärztliche Vereinigung (KV), Hilfsorganisationen sowie die telemedizinische Beratung und Überwachung durch die Zentrale Notaufnahme am Campus Benjamin Franklin der Charité. Ergänzt wird dies durch ein digitales, interaktives Gesundheitstagebuch (DiG).

Lessons Learned aus dem Projekt:

  • Die Rekrutierung über Hausärzt:innen ist faktisch gescheitert.
  • Der organisatorische und koordinative Aufwand im Projekt ist hoch.
  • Das digitale Patient*innentagebuch muss deutlich einfacher gestaltet werden und sich nahtlos in bestehende sowie zukünftige IT-Infrastrukturen (z. B. die ePA) integrieren.

Dr. med. Anne Sophie Platzbecker, Forscherin am Hasso-Plattner-Institut Potsdam und Leiterin Medizinische Innovation & Transformation an der Medizinischen Universität Lausitz, hat mit ihrer Keynote einen spannenden, internationalen Vergleich aufgestellt: Während die USA und Israel Hospital@Home bereits in der Regelversorgung verankert haben, befindet sich Deutschland noch in einer Pilotphase ohne einheitliches Vergütungsmodell.

Unterschieden werden drei Ansätze: Admission Avoidance, Early Supported Discharge und Virtual Wards – alle basierend auf Telemonitoring, Televisiten und interoperablen IT-Systemen.

Evidenz:

  • Clinical & Safety: Komplikationen und Mortalität sind meist vergleichbar oder niedriger, Rehospitalisierungen häufig reduziert.
  • Ökonomie: Geringere Gesamtkosten, vor allem durch Einsparungen bei Post-Acute-Leistungen sowie Infrastruktur und Overhead.
  • Patient Experience: Höhere Zufriedenheit, bessere Lebensqualität, Schlaf und Mobilität; Delirprävention verbessert. Angehörigenbelastung variiert.

Erfolgsfaktoren: Entscheidend sind klare Patientenselektion, 24/7-Eskalationsstrukturen, digitale Integration sowie standardisierte KPIs und Finanzierungsmodelle.

Ausblick – An der Medizinischen Universität Lausitz entstehen neue Konzepte durch virtuelle Kliniken:

  • Onkologie: Datenräume, telemedizinische Pfade und KI-gestützte Entscheidungen
  • Geriatrie: Interoperable Daten, Sensorik und prädiktive Risikomodelle
  • Chirurgie: Digitale perioperative Prozesse, Telemonitoring und Nachsorge

Ergänzt wird dies durch stationsäquivalente „Hospital-at-Home“-Ansätze und regionale „Health Cubes“ im ländlichen Raum.

Fazit
Hospital@Home hat das Potenzial, Versorgung effizienter und patientenzentrierter zu gestalten – vorausgesetzt, Finanzierung, Struktur und Digitalisierung greifen ineinander.

Workshops: Demenz, Patient Journey und außerklinische Beatmung

Den Keynotes schlossen sich drei Workshops an, die das Thema Hospital@Home aus unterschiedlichen Perspektiven und mit verschiedenen Schwerpunkten genauer beleuchteten.

Im ersten Workshop ergänzte Prof. Somasundaram seine Keynote mit Einblicken in die aktuelle Situation der Demenzversorgung. Angesichts steigender Pflegebedarfe bei gleichzeitig knapper werdenden Personalressourcen übernehmen Angehörige zunehmend Care-Arbeit, während die Kosten bei angespannter Finanzlage weiter steigen.

Als Lösungsansatz stellte er das Konzept „MTO“ (Mensch–Technik–Organisation) vor. Es beschreibt das Zusammenspiel von Anforderungen an den Menschen, eingesetzter Technik und organisatorischen Abläufen – ein zentraler Faktor für jede Innovation. Veranschaulicht wurde dies durch die Entwicklung eines speziellen Bettes für Demenzpatient*innen mit Hinlauftendenzen, das durch Reizreduktion beruhigend wirken soll.

Im zweiten Workshop, geleitet von Dominic Hillerkuss von Hospital at Home Deutschland e.V., wurde eine ideale Patient Journey für Hospital@Home entwickelt. Sie soll integriert, indikationsbasiert und durch Remote Patient Monitoring unterstützt sein.

Im Outer Setting wurden u. a. Sozialverbände und Service Provider als wichtige Akteure identifiziert. Erfolgsfaktoren sind Hausbesuche, soziale Einbindung (z. B. Nachbarn), ein ausgewogenes Zusammenspiel aller Beteiligten sowie der Einsatz von KI.

Im Inner Setting wurden Vorteile wie höhere Kosteneffizienz, bessere Behandlungsmöglichkeiten, weniger Transportaufwand und neue Rollenprofile für klinisches Personal hervorgehoben.

Im dritten Workshop gaben Sarah Berger und Jasper Wagnitz den Teilnehmenden einen Einblick in das G-BA-Projekt T-CABS (Telemedizinisches Centrum für Außerklinische Beatmung und Sauerstofftherapie). Dabei geht es um die telemedizinische Versorgung von Patient:innen mit außerklinischer Beatmung. Im Fokus standen die Auswirkungen kontinuierlicher Daten auf die Arzt-Patienten-Beziehung sowie auf den Versorgungsalltag.

Dabei wurde deutlich, dass Telemonitoring einerseits mehr Sicherheit und eine proaktivere Betreuung ermöglicht, andererseits aber neue Anforderungen an Kommunikation, Verantwortlichkeiten und Integration in bestehende Strukturen stellt. Zentrale Herausforderungen liegen insbesondere in Datenstandardisierung, technischen Prozessen sowie im Training und der Einbindung von Patient:innen.

T-CABS-Workshop mit Dr. Sarah Berger und Jasper Wagnitz

Fazit

Der Patient Monitoring Roundtable hat gezeigt, dass Hospital@Home ein vielversprechender Ansatz ist, um den steigenden Versorgungsbedarf insbesondere bei älteren und multimorbiden Patient:innen patientenzentriert, effizient und potenziell kostensparend zu adressieren. Internationale Beispiele belegen die Wirksamkeit, während in Deutschland vor allem strukturelle Hürden wie fehlende Vergütungsmodelle, hohe organisatorische Komplexität und unzureichend integrierte digitale Infrastrukturen die breite Umsetzung noch bremsen.

Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Erfolg maßgeblich vom Zusammenspiel von Mensch, Technik und Organisation abhängt. Interoperable Systeme, klare Prozesse, geeignete Patientenselektion sowie die Einbindung aller Akteure – einschließlich Angehöriger – sind entscheidend, um das Potenzial von Hospital@Home nachhaltig zu realisieren und in die Regelversorgung zu überführen.

Nächster PMRT am 21. Mai im BALTIC

Wir freuen uns, euch am 21. Mai zum vierten Patient Monitoring Roundtable des Jahres im BALTIC der Charité begrüßen zu dürfen! Das Schwerpunktthema wird Robotik in der Pflege sein. 

Dabei sein und nicht verpassen!

Der Patient Monitoring Roundtable wird von INCH Health in Partnerschaft mit dem Institut für Medizinische Informatik der Charité – Universitätsmedizin Berlin organisiert.

Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren Masimo, Dräger und Philips, deren Unterstützung den Patient Monitoring Roundtable ermöglicht.

Wir danken außerdem Prof. Dr. Rajan Somasundaram und Dr. Anne Sophie Platzbecker für die inspirierenden Keynotes und die großartigen Workshops sowie allen Teilnehmenden für die engagierte Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien für eine intelligente, sichere und patientenzentrierte Versorgung.