Patient Monitoring Roundtable Nr. 5 | 2026: KI-gestützte Dokumentation – wenn Ärzt:innen nicht mehr mitschreiben müssen

„KI-gestützte Dokumentation“ – unter diesem Leitthema kamen wir am 22. Juni 2026 im Baltic zum fünften Patient Monitoring Roundtable (PMRT) des Jahres zusammen. Im Mittelpunkt stand die Frage, was KI-gestützte Dokumentation im klinischen Alltag wirklich leisten kann – und was es dafür wirklich braucht.
KI-Reallabor: Innovation und Regulatorik als Partner, nicht als Gegner
Jonas Marcello, Senior Policy Advisor für neue Technologien und Datennutzung im Bundesministerium für Gesundheit, eröffnete den Abend mit einer Keynote, die einen oft vernachlässigten Blickwinkel einnahm: den der Regulatorik – nicht als Bremse, sondern als Gestaltungsaufgabe.
Marcello stellte das Konzept des KI-Reallabors vor: ein Rahmen, in dem neue, innovative Ideen erprobt werden können, bevor sie den vollständigen regulatorischen Zulassungsprozess durchlaufen. Gerade bei Medizinprodukten ist dieser Prozess aufwändig, und das aus gutem Grund. Aber er darf Innovation nicht verhindern.
Die Antwort des KI-Reallabors: Entwickler:innen erhalten frühzeitig regulatorische Begleitung und können sich schon während der Entwicklung mit den relevanten Anforderungen auseinandersetzen. Das Ziel dahinter ist klar formuliert: „conformative by design“ – also nicht erst am Ende prüfen, ob ein System den Anforderungen entspricht, sondern die Anforderungen von Anfang an mitdenken.
Ein Ansatz, der für die klinische KI-Entwicklung weitreichende Konsequenzen hat. Denn was für Pflegeroboter gilt, gilt für KI-gestützte Dokumentationssysteme genauso: Wer Vertrauen in Technologie schaffen will, muss Verantwortung früh im Prozess verankern.
Dragon Copilot in der Klinik: Was wirklich zählt
Die zweite Keynote des Abends kam aus der Praxis – und das war spürbar. Isabel Härtl, Projektmanagerin im Zentralen Dienst KI bei AGAPLESION, und Kevin Murray, Co-Founder und CEO von prismedi, berichteten gemeinsam von ihren Erfahrungen mit der Implementierung von Microsoft Dragon Copilot im klinischen Umfeld.
Es war ein ehrlicher Erfahrungsbericht – mit Erkenntnissen, die über das Technische hinausgehen.
Zwei Faktoren erwiesen sich als besonders entscheidend: Individualisierung und Audioqualität. Dragon Copilot funktioniert nicht als Einheitslösung – es braucht Anpassung an den jeweiligen Kontext, die jeweilige Fachrichtung, die jeweiligen Nutzer:innen. Und es braucht eine Aufnahmequalität, die im lauten, dynamischen Klinikalltag nicht selbstverständlich ist.
Hinzu kommt eine Erkenntnis, die für viele Digitalisierungsprojekte gilt: Zeitersparnis ist kontextabhängig. Ob KI-gestützte Dokumentation tatsächlich Zeit spart, hängt nicht allein vom Tool ab – sondern davon, wie gut es in bestehende Prozesse integriert ist. Prozessintegration, so Härtl und Murray, ist keine technische Nebenbedingung. Sie ist der entscheidende Faktor.
Workshops: Von Use Cases bis Outcomes
Im Anschluss an die Keynotes vertieften alle Teilnehmer die Diskussion in zwei Workshops.
Im ersten Workshop, geleitet von Isabel Härtl und Kevin Murray, stand die Frage im Mittelpunkt: Wo bietet KI-gestützte Dokumentation den größten Mehrwert? Die Diskussion zeigte ein interessantes Bild: Der OP wurde als Bereich mit besonders hohem Potenzial identifiziert – gleichzeitig aber auch als einer mit erheblichen Herausforderungen in Bezug auf Integration und technische Machbarkeit. Potenzial und Komplexität gehen hier Hand in Hand.
Der zweite Workshop widmete sich den Outcomes: Was muss KI-gestützte Dokumentation eigentlich leisten, damit sie als erfolgreich gilt? Drei Bereiche kristallisierten sich als besonders relevant heraus: Dokumentationsqualität, Zeitersparnis und Kommunikationsschnittstellen. Letzteres verdient besondere Aufmerksamkeit – denn Dokumentation ist nie Selbstzweck. Sie ist Grundlage für Übergaben, Entscheidungen und Kontinuität der Versorgung.

Fazit
KI-gestützte Dokumentation ist kein Zukunftskonzept mehr – sie ist in der Klinik angekommen. Aber ob sie dort wirklich wirkt, hängt von mehr ab als der Technologie selbst: von regulatorischen Rahmenbedingungen, die Innovation ermöglichen statt blockieren, von durchdachter Prozessintegration und von einem ehrlichen Blick auf das, was in der Praxis funktioniert – und was noch nicht.
Genau dafür ist der PMRT da.
Nächster PMRT am 10. September im BALTIC
Wir freuen uns, euch am 10. September zum sechsten Patient Monitoring Roundtable des Jahres im BALTIC Berlin (Invalidenstraße 120/121) begrüßen zu dürfen! Unser Fokus wird Monitoring auf der Normalstation sein.
Dabei sein und nicht verpassen!
Der Patient Monitoring Roundtable wird von INCH Health in Partnerschaft mit dem Institut für Medizinische Informatik der Charité – Universitätsmedizin Berlin organisiert.
Ein besonderer Dank gilt unseren Sponsoren Masimo, Dräger und Philips, deren Unterstützung den Patient Monitoring Roundtable ermöglicht.
Wir danken außerdem Jonas Marcello, Isabel Härtl und Kevin Murray für die inspirierende Keynotes und die großartigen Workshops sowie allen Teilnehmenden für die engagierte Zusammenarbeit bei der Entwicklung von Zukunftsszenarien für eine intelligente, sichere und patientenzentrierte Versorgung.